Beck – Morning Phase (2014)

beck_morning_light Es wirkt fast, als wolle Beck sich hinter seiner Musik verstecken, so sehr verschwindet seine Stimme hinter dem mächtigen Hall im ansonsten sehr ruhigen und getragenen „Morning“.
Schon mit dem Eröffnungssong wird klar, dass „Morning Phase“ ähnlich wie „Sea Change“ wieder ein deutlich zurückgenommeneres und introspektiveres Album wird, als beispielsweise das von Danger Mouse produzierte „Modern Guilt“ von 2009.
Beck hat sich viel Zeit mit dem neuen Album gelassen, auch weil er es laut eigener Aussage schwer fand, den Blick auf sich selber zu richten.
Nun tut er genau das, und im Vergleich zu seinen anderen Alben ist „Morning Phase“ sehr ruhig geraten; der Spannungsbogen erschließt sich erst nach mehrmaligem Durchhören.
So ganz mag der mit seinen collagenartigen, (selbst)ironischen „alterna-folk“-Songs (Futurama…) bekannt gewordene Beck nicht auf Klangspielereien verzichen; es gibt immer mal wieder rückwärts gespielte Samples oder auch ein wunderbar waberndes Klavier („Unforgiven“) – doch im Großen und Ganzen reduziert sich Becks Musik auf Folk-Instrumentierung und stützt sich auf seine Fähigkeiten als Songwriter. Dabei ist es hervorragend produziert; die Gitarren oder auch das Klavier sind kristallklar aufgenommen und abgemischt.
„Waking Light“ ist musikalisch eines der ersten Highlights – der optimistische Song tut dem Album gut, vor Allem, weil dadurch „Unforgiven“ mit seiner Wehmut (super Gitarrensound!) besser glänzen kann – und es ist doch „nur“ der Wegbereiter für das phantastisch deprimierende „Wave“, in dem Beck das Thema Isolation eindrucksvoll klanglich unterstützt – seine Stimme hat Mühe, sich durch den Hall vernehmbar zu machen.
„Dont Let It Go“ reißt das Ruder wieder in die andere Richtung; es ist ein angenehmer, positiver Folksong.
In der Folge wird das Album wieder etwas leichter, um mit dem großen „Country Down“ einen würdigen Abschluss zu finden.

„Morning Phase“ ist kein Album, dass sich aufdrängt. Es ist auch nicht so spannend und innovativ wie das Frühwerk des Musikers.
Es braucht ein wenig Zeit, um sich zu entfalten und ist eines jener Alben, die man eher nach Kopfhörern verlangen – inhaltlich sowieso, und auch die fast perfekte Produktion ist es wert, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Beck hat sich anscheinend sehr genau überlegt, wie das Album klingen soll, und bis auf den Hall, der manchmal einfach etwas zu viel ist, stimme ich ihm da auch zu.
Ein hörenswertes, handwerklich sehr solides Folkalbum.

Das Album im Stream vorab hören.

Beck – Modern Guilt

Damals

Ich war dort, im Plattenladen, unmittelbar nachdem das Album herausgekommen war. Wollte viel Geld für ein bisschen Vinyl ausgeben und landete bei Beck. Auf das Album angesprochen, verzog der Verkäufer allerdings das Gesicht und meinte, Danger Mouse als Produzent sei ihm ein wenig zu stressig. Ich habe daraufhin das Album beiseite gelegt und mir stattdessen „Mezzanine“ von Massive Attack gekauft…

Jetzt

Ich war wieder dort. Im Plattenladen. Wollte unbedingt meine Aufwandsentschädigung aus dem Zeltlager durchbringen. Sah Modern Guilt – und dachte: „Warum nicht?“. Monetär sprach ja nichts dagegen, und mir war nach Beck, Sommersonnestrand und so.

Später

Das Album ist mit 33 Minuten recht kurz, kein Wunder, dass es die ersten Male nur so durchgerauscht ist, bevor ich überhaupt etwas dazu schreiben konnte.

Nun aber rotiert das schwarze Gold.

Persönlich finde ich den Einfluss von Danger Mouse ganz gut. Die Musik wirkt nicht mehr so garagengemacht wie z.B. „Mellow Gold“, vielmehr wirkt sie frisch und klanglich aktuell, aber auf 60ies getrimmt (Orphans, Gamma Ray) – zu den folkig angehauchten Songs kommen jede Menge Geräusche, die der Musik tatsächlich gut tun.
Der Schlagzeugrhythmus von „Chemtrails“ zusammen mit dem leicht entrückten Gesang erinnert mich entfernt an „The Four Horsemen“ von Aphrodite’s Child – und das ist per se ja schon mal nicht schlecht.

Weiterlesen „Beck – Modern Guilt“

Eels – Daisies Of The Galaxy

Es ist ein Zufall, wirklich! Ich wollte über Musik schreiben, und zufällig lief ein Lied von der Eels. Ich konnte doch nicht ahnen, dass ausgerechnet dieses Album im Jahre 2000 herauskam.
Na dann.
Wirds halt eine Review und der Beginn eines kleinen Dossiers über die Musik, die mich seit 2000 bewegt – wenn auch in diesem Fall eher, äh, kurzfristig…

Eels – daisies of the galaxy (2000)

Man wähnt sich beinah auf Abwegen, denn nachdem das Album nach „Grace Kelly Blues“ und „Packing Blankets“ erst einmal Fahrt aufgenommen hat, dann erinnert nicht nur die Stimme des Sängers, sondern auch der Einsatz zahlreicher kleiner Soundgimmicks wie der Hammond-Orgel, eines Glockenspiels, des Rhodes, des ein oder anderen Samples stark an die Art und Weise, wie ein gewisser Herr Hansen seine Musik macht – fälschlicherweise hatte ich das verspielt – fröhliche „I Like Birds“ immer mal wieder Beck zugeschrieben – ähem… Weiterlesen „Eels – Daisies Of The Galaxy“

tuesday’s terrific tunes

a.k.a. Damned, It’s Just A Few Minutes Too Late For A Mad Music Munday

the almighty jimi

liebes volk, die verspätung ist schnell erklärt: ich habe mir noch schnell wer früher stirbt ist länger tot angeschaut, eine göttliche komödie über einen kleinen bazi jungen, der glaubt, aufgrund seines sündenkontos seine mutter umgebracht zu haben und aus angst vor komischen typen mit sonderbaren perücken vorm fegefeuer versucht, unsterblich zu werden.
ein toller film, perfekt für nen warmen sommerabend und draußen (war ja im freilichtkino) und der soundtrack kann sich auch hören lassen, viel blueslastiger, zum teil psychedelischer – weil aus den sechzgern stammender – rock’n’roll. jimi hendrix und co lassen grüßen.

beinah alle gitarristInnen egal welcher musikrichtungen weisen jimi als den absoluten referenzgitarristen aus; es gibt kaum jemanden, der oder die nicht irgendwann mal versucht hat, irgendein hendrix’sches riff nachzuspielen – ausser vielleicht chuck berry, aber der ist auch der chuck norris unter den gitarristen.

wenn ich mir ben harper anhöre, dann kommt in seinen rockigen momenten auch eine ganze menge hendrix durch; viel wesentlicher – und zwar in seinem gesang, in der art, songs zu schreiben und zu arrangieren – scheint er jedoch von bob marley beeinflusst worden zu sein. glücklicherweise hat er sich nicht seinen intellekt und sein musikalisches gespür weggekifft, sodass ben harper wesentlich erträglicher ist als mr. redemption song. obwohl er ein hervorragender songwriter und live ne bank ist, gilt er hier immer noch als geheimtip – naja, spätestens jetzt nicht mehr…
ähnlich wie dave matthews, würde ich um studioaufnahmen einen großen bogen machen, weil zu poppig. live geht aber – wie gesagt – immer.

heuer habe ich mich beim musikhorizonterweiterer last.fm angemeldet; diese seite funktioniert nach dem simplen prinzip: „zeig mir, was du magst, und ich zeige dir, was du noch mögen könntest“ und ist deswegen für mich richtig klasse – wie radio mit nem guten dj, minus werbung, dumme sprüche, verkehrsnachrichten und britney spears.
allerdings war die seite für meinen geschmack ein bisschen zu komplex und in ihrer songauswahl ein wenig zu beliebig, um sofort richtig spaß zu machen – da gefiel mir padora wesentlich besser.
wobei – das darf man nicht vergessen – das eine ist eine web2.0 – Sache, funktioniert also auf Empfehlung anderer Laien, während pandora Musik wissenschaftlich auseinandernimmt.

warum ich diesen schmarrn erzähle? weil mir last.fm heute nen track von einem mann gespielt hat, den ich schon fast vergessen hatte, und das ist beck. der hat mit „loser“ und „devils haircut“ einige marken hinterlassen und auch sein aktuelles album soll gar nicht mal so schlecht sein (ich hätte es sofort gekauft, konnte aber nicht entscheiden, ob als vinyl oder als cd…).
jedenfalls habe ich mir beck als einen gemerkt, der immer sehr experimentierfreudig war (folk vs pop + samples und elektrospielereien), viel selbst gemacht hat und trotzdem musikalisch immer sehr zugänglich geblieben ist.

auch sehr experimentierfreudig, aber eine ganze gangart härter präsentiert sich arjen lucassen. der verrückte holländer schreibt, singt, spielt und produziert seine stücke allesamt in seinem eigenen studio; weil er zwar ganz passabel singen kann, aber meistens konzeptalben mit mehreren charakteren schreibt, leistet er sich unglaublich viele, extrem gute gastsänger, die fast allesamt aus metalbands kommen.
arjens musik selber ist ebenfalls eher unter metal oder hard rock im regal zu finden, obwohl er in seinem letzten longplayer „the human equation“ beinah alle genres zumindest mal kurz angerissen hat.
seine alben zwingen den hörer regelrecht unter die kopfhörer, so intensiv und detailliert sind sie – auch deswegen ist „the human equation“ eines meiner lieblingsalben

kid koalas musik zu beschreiben, ist beinah unmöglich. man könnte sie irgendwo zwischen jazz und bebop ansiedeln, darf aber dabei nicht ausser acht lassen, dass er alles sampelt, was nicht bei drei auf den bäumen ist. jetzt noch ein bisschen scratchen (der mann ist auch dj) und man hat etwas, das kaum noch in normale songstrukturen passt, sondern eher eine art schnipselgehäuf ist. also keine collage, dann könnte man ja ein bild erkennen…
„skanky pank“ hingegen ist ein wunderbarer song; wenn ich ihn höre, denke ich immer an eine dicke schwarze oststaatenfrau, die im licht der untergehenden sonne auf einem hausboot auf dem mississipi tanzt – äh, ja…

und das muss für heute reichen.

nebenbei bemerkt: es ist das erste mal, dass ich das wort „göttlich“ auf milchmithonig verwendet habe, ebenso wie „bluthund“ oder „zurechtgepfiffen“ gestern. und ja, auch „oststaatenfrau“. was mag das bedeuten? vermutlich nichts.

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