Himmel, fahrt!

Himmelfahrt oder: wo ist eigentlich Bernau?
Es ist ja inzwischen so etwas wie eine kleine Tradition: zu Himmelfahrt¹ setzen sich Heerscharen an Männern aufs ansonsten sträflich vernachlässigte Fahrrad³, um sich an diesem besonderem Datum zu zeigen, dass man Radfahren und Trinken besser nicht kombinieren sollte.
Eine kleine Reisegruppe unerschrockener (Ex-, Halb- und Irgendwie-) kollegen jedoch macht sich auf, die Radwanderwege um Berlin zu erkunden. In diesem Jahr sollte es nach Usedom gehen, auf dem Berlin-Usedom-Radweg.
Die Puristen Fanatiker unter uns wollten den Weg möglichst in seiner vollen Länge genießen, und so legten Philipp und ich die 26 Kilometer nach Bernau auf jeweils zwei Rädern hin, während die beiden anderen Herren im Zug anreisten.
Weil wir uns dummerweise in Französisch-Buchholz verfuhren*, mussten wir die letzten 12 Kilometer im gestreckten Galopp hinlegen.

Die unerschrockenen Reisenden

Die unerschrockenen Reisenden

Dass wir trotzdem pünklich waren, verdanken wir auch der Deutschen Bahn, die Raphael und Christopher genau richtig zu spät anlieferte.

Fisch und Kettenöl
Dann ging es nun aber wirklich los, und die Drohung des Himmels blieb eine solche. Die erste ernsthafte Pause war entsprechend eines Antrags meinerseits an die Tagesordnung** „Petras Fischladen“, in dem es ausgezeichnete Fischbrötchen, aber leider nicht-so-ausgezeichneten Service gab, was unter Anderem daran zu erkennen war, dass uns mit dem Brötchen zwar ein Schnaps namens „Kettenöl“ gereicht wurde, dass wir den aber zu bezahlen hatten, irgendwie im Gebrummel des Verkäufers unterging. Nun denn. Halten wir ihm zugute, dass er – neben uns – der vermutlich einzige Nüchterne unter lauter Betrunkenen war.

Schilder?
Es gehört zu den hervorragenden Eigenschaften deutscher Radwanderwege, nahezu perfekt ausgeschildert zu sein. Leider habe ich auf dem Fahrrad einen fast ebenso perfekten Tunnelblick entwickelt, und so würde ich wohl ohne die fachkundige Hilfe von Raphael – der ein wahrer Meister im Entziffern und Deuten dieser kleinen, für mich schleierhaften Orientierungshilfen ist – noch immer durch Brandenburg irren. Kleines Beispiel: Weggabelung, und der Pfeil zeigt genau in die Mitte zwischen den Wegen. Während ich noch denke: „Ja, Nein, ich mein, Jein“, weiß Raphael stets sicher den Weg.

Schnaps gegen Seekrankheit

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Im Zuge unserer kleinen Fahrt und fast gegen Ende derselben überquerten wir auch ein großes Gewässer – und zwar auf einer Fähre. Ich erwartete Vieles, aber die kleine Nusschale mit Aussenborder war unerwartet rustikal. Es hatten acht Personen mit Fahrrad Platz***, und gegen die bei 10 Minuten Fahrt drohende Seekrankheit gabs erstmal ein Likörchen. Im Gegensatz zum Kettenöl schon im Preis enthalten – fein.

Philipp hat ne Fahne
„Ach, dich und deine Fahne haben wir doch schon gesehen, vorgestern oder so.“ – so wurden wir nach der Fähre begrüßt, als wir bei Fischbrötchen und Cola dem Treiben zuschauen.
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Philipp war als einziger Radreiseprofi unter uns nicht nur mit Packtasche I, Packtasche II, Packtasche III, Packtasche IV, Seesack, Lenkertasche und Trinksack bewaffnet, sondern brachte auch ein sehr wichtiges, aber oftmals sträflich vernachlässigtes Utensil zur Reise mit: eine Fahne, die er achtern befestigte.
In diesem Fall mit Elmshorner Wappen.

Auf meine freudige Idee, ich könne bei der nächsten Fahrt ja eine Werder-Fahne hissen, erntete ich lediglich einen missbilligenden Blick und die freund- wie deutliche Antwort, dann könne ich die nächste gemeinsame Fahrt alleine bestreiten.

Völlig überholt
Man muss konstatieren, dass wir jungen Burschen mit strammen Waderln schon recht flott unterwegs waren.

Dementsprechend überholten wir regelmäßig andere Reisende mit demselben Ziel, die ihrerseits uns überholten, wenn wir Pause machten, und danach überholten wir… kurzum: man lernt ein paar Radler besser kennen, vor allem, wenn diese auch noch in denselben Orten übernachten, wie man selber, und das führt dann zu

Bier in der Stadt, Philosophie am Strand
besagte RadlerInnen trafen wir nämlich in einer Kneipe, die ihr eigenes Bier braut – übrigens sehr lecker – und das führte zu einem unterhaltsamen Abend, an dem wir irgendwann dann doch froh waren, wieder unter uns sein zu können, um den Abend sehr gemütlich und tief in Gesprächen am Strand ausklingen zu lassen.

Einsatz des Feldfunkers
Am Samstag gab es natürlich auch Bundesliga, und aufgrund der bedrohlichen Situation für den SVW, hatte ich selber großes Interesse an der ARD-Konferenz. Auch deswegen, und aus Traditionsgründen, brachte ich mein kleines Survival-Radio mit und sah nicht nur aus wie ein Feldfunker, sondern beschallte halb Usedom mit spannenden Fußballreportagen; mein Aussehen sorgte für einigermaßenes Gelächter:

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Und dann waren wir da

CIMG2554Das Leben in vollen Zügen genießen
Zurück ging es im Zug, und wie immer ist es eine wahre Freude, die Fahrradfreundlichkeit der Deutschen Bahn am eigenen Leib zu erleben. Die Schaffnerin war allerdings wirklich nett, und letzten Endes sind wir alle wohlbehalten und mit Sack und Pack wieder zuhause angekommen.

Der Gesamtverlauf der Strecke

Fußnoten:

¹ im norddeutschen Raum: Vatertag; im Um-Berlin-Raum: Herrentag; im Kirchenraum²: Himmelfahrt

² also allgemein, nicht nur im Kirchenschiff

³ sprich: man kramt es ein Mal im Jahr hervor, um zu Himmelfahrt (¹, s.o.) völlig zu übertreiben, um es dann unter Schmerzen und Tränen wieder für ein Jahr im Keller/in die Garage zu verbannen

* Straßennamen, in Reihenfolge des Auftretens: Straße 7, Straße 34, Straße 20, Straße 74. Da steige durch, wer will…

** Punkt 1: Radfahren
Punkt 2: Radfahren
Punkt 3: Pinkelpause
Punkt 4: Radfahren
Punkt 5: Petras Fischladen
Punkte 6 – 11: Radfahren

*** „Bitte nacheinander einsteigen und keine ruckartigen Bewegungen, oder wollt ihr kentern?“

Mehr Reisebericht
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http://www.gpsies.com/map.do?fileId=mrimpswzkxgltkcu&authkey=DCA227B73BEB9B42869D05F06BAC4E4010911BD8EBEEFFBA

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Eine Antwort zu Himmel, fahrt!

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